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Freiheit vom Haben-Wollen – Das Phänomen der Unzufriedenheit im Überfluss

Aktualisiert: 5. Juli 2019



Uns geht es gut. Konsum steht zunehmend im Vordergrund bei den Freizeitbeschäftigungen. Die Geschäfte sind bis spät in den Abend geöffnet, sogar regelmässiges Sonntags-Shoppen ist möglich geworden und fndet teilweise sogar als Ganztagesausflug zu Einkaufszentren statt. Die Umsätze der Gastronomie steigen, Coffee-Shops und Fastfood-Gelegenheiten sind wie Pilze aus dem Boden geschossen.


Die Masse an Sonderangeboten und Produktneuheiten führt jedoch dazu, dass man schnell den Fokus verliert und mehr konsumiert, als man ursprünglich geplant hatte.


Das Internet verlockt mit geschickter Werbung, bequem von zu Hause aus weitere „notwendige“ Einkäufe zu tätigen und diese noch schneller zu erhalten und problemlos auch wieder umtauschen zu können. Kaum hat man eine Sache bestellt, flimmern Angebote von Ähnlichem noch günstiger oder noch schöner und besser auf dem Bildschirm…. Plus weiterer Anregungen, was man sonst auch noch alles brauchen könnte. Kaum ist der Kauf erfolgt, denkt man schon wieder über einen Umtausch und weiteren Konsum nach. Der eigentliche Kauf, der glücklich machen sollte, kann selten richtig genossen werden, weil direkt der Zweifel nagt, durch den Kauf eventuell die bessere Wahl verpasst zu haben.


Warum kreiert der Überfluss so viel Unzufriedenheit in dieser Gesellschaft?


Der Konsum beschäftigt uns rund um die Uhr, ob wir es wollen oder nicht. Es wird zunehmend schwieriger, diesem aus dem Weg zu gehen und uns mit uns SELBST zu beschäftigen. Uns wird vermittelt, dass Ego-Bedürfnisse ständig und sofort und zum niedrigsten Preis erfüllt werden müssen und diese somit sogar eine Art Lebensinhalt bilden. Wir lernen, dass wir haben sollten, was die Anderen auch haben und vielleicht sogar noch etwas Besseres als die Anderen. Wenn das nicht (sofort) klappt, dann setzt bei vielen die innere Unzufriedenheit ein, die sich unter anderem in innerer Gier und gegenüber Mitmenschen auch in Neid und MIssgunst äussern kann. Obwohl wir erwachsen sind, fördert das anerzogene Konsumverhalten als Dauerzustand oftmals eher ein Verhalten auf Kleinkind-Niveau in Form von „Ich will aber haben“ und „meine eigene sofortige Bedürfnis-Befriedigung steht unbedingt im Mittelpunkt“. Wenn das Wollen dann nicht erfüllt werden kann, setzt innerer Stress durch Unzufriedenheit und Frustration oder Ärger ein.


Die Grundlage der Problematik bildet sich vielleicht schon in der Kindheit, wenn Eltern nicht mehr nein sagen und die gezahlten Taschengeldbeträge allgemeine Empfehlungen um ein Mehrfaches übersteigen, obwohl die Kinderzimmer bereits schon voll sind mit Spielsachen und Süssigkeiten. Später kommen dann nach dem Führerschein auf Elternkosten vielleicht sogar noch ein Auto auf Kosten der Eltern hinzu. Breitflächig wird durch derart grosse Zuwendungen und scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten am Ende nur Unzufriedenheit gesät, zunächst bei den weniger verwöhnten Kindern, die sich ungerecht von den eigenen Eltern behandelt fühlen, doch viel später dann bei den zunächst scheinbar begünstigten Kindern selbst. Diese erleben nämlich ihre erste Frustration erst viel zu spät, als es im Rahmen einer normalen Reifung vorgesehen wäre, nämlich dann erst als junge „Erwachsene“, wenn sie merken, dass es so auf Dauer nicht weitergeht und dass man dann im richtigen Leben mit normaler Arbeit „nur so wenig“ verdient, dass sich dieser Aufwand für sie gar nicht wirklich zu lohnen scheint. Dem Kind, das alles schon im frühen Alter gehabt hat, fehlen die Anstrengungsbereitschaft und die dazugehörigen Ziele für sein späteres Leben. Das reale Leben kann der geschaffenen Erwartungshaltung selten dauerhaft gerecht werden. Wer will sich in einer Ausbildung noch abmühen für vergleichsweise wenig Geld, wenn der Neuwagen bereits mühelos auf Kosten der Fleissigen seinen Weg bereits vor die Haustür gefunden hat. Die Unzufriedenheit der heutigen jungen Leute ist damit system-immanent.


Als ich früher meine Eltern nach mehr Taschengeld und nach besserer Kleidung fragte, hörte ich, ich solle dafür arbeiten, auch sie müssten für ihr Geld arbeiten, was ich dann auch tat. Ich fand das zwar zunächst unfair, weil meine Freunde nicht arbeiten mussten, aber es war ein wirklich gutes Gefühl, SELBST auf „mein erstes Ziel“ hinzuarbeiten: die erste Jeanshose! Ich war so glücklich darüber! Später war ich stolz auf mein erstes selbstverdientes Auto.


Dem eigentlichen Besitz ging immer eine längere Phase von Überlegung, Anstrengung und Vorfreude voraus. Durch das kleinere Angebot an Waren trat in der Regel keine Ablenkung vom Ziel und auch kein Zweifel an dem eingeschlagenen Ziel ein. Wenn ich mein Ziel endlich erreicht hatte, konnte ich die Freude des Kaufaktes und des Besitzens sehr intensiv und lange fühlen und der Abschied von den heiss geliebten Dingen fiel immer schwer.


Doch wer im vorhandenen Überfluss bereits als Kind gross wird, der nimmt jede Jeanshose und auch den Neuwagen mehr oder weniger an als eine selbstverständliche „Lieferung“ von vielen weiteren Lieferungen, ohne selbst überhaupt ansatzweise erlebt zu haben, was für diese Anschaffung geleistet wurde und ohne zu fühlen, wie wertvoll diese Anschaffung dadurch geworden ist. Der „Preis“ ohne „Schweiss“ ist nicht viel wert und wird auch nicht gewürdigt. Die Geschenke werden zum Austauschobjekt. Das Gegenteil von Glück entsteht sogar –Unzufriedenheit macht sich breit im reichen Beschenkt-Sein.

Statt innerlich satt und erfreut zu sein, wandert der Fokus auf all die Dinge, die man (noch) nicht hat und vielleicht viel lieber hätte. Man möchte mehr und immer noch „neuer“ haben. Reparieren wird oft gar nicht mehr in Betracht gezogen. Doch wer ist heute noch glückllich über sein Dauer-Shopping? Selbst die Freude am neuen teuren Handy weicht oft schon nach kurzem der Überlegung, wie lange der Vertrag noch läuft, bis man ein noch neueres tolleres Handy erhalten kann. Shoppen und Extrem-Konsum ist ein Alltagsritual geworden, das niemals wirklich satt machen kann, weil der Hunger des Egos nach mehr verlangt. So lange, bis sich die übermässigen Einkäufe in den Zimmern und Garagen stapeln und der Konsum zu einer Last geworden ist.


Von der Freude am Kaufakt ist nur noch eine kurze Erleichterung bis zum nächsten Haben-Wollen übriggeblieben. Wo ist die innere Zufriedenheit, die man früher nach einer lang ersehnten Wunscherfüllung und einer Zeit des Wartens in sich spüren konnte und die Freude am Anschauen und Benutzen geblieben?


Die Zeiten haben sich geändert und es ist schön, dass wir uns insgesamt mehr leisten können und eine Jeanshose mühelos zum Standard gehört, aber wenn der Konsum uns beherrscht und uns mehr unzufrieden macht als zufrieden, dann ist es Zeit, die Veränderungen zu überdenken.

Wirkliche Zufriedenheit kann im übersteigerten Konsum nicht erzielt werden. Das Ego bleibt hungrig. Eine Wertschätzung des einzelnen Gegenstandes ist nicht mehr möglich, wenn zu viel Geld für Konsum zur Verfügung steht und von aussen angeregt sich der Fokus immer wieder auf die Notwendigkeit des Habens von „noch neuer und noch schöner“ gerichtet wird.

In dieser Kultur des „Haben-Wollens“ fällt es schwer, noch zufrieden SEIN zu können. Das betrifft sogar die Singlebörsen – wie der Name schon sagt, ein Handel mit Ware, nämlich dem alleinstehenden Menschen.


Auf der Strecke bleiben die Menschlichkeit und das wahre Geniessen im Jetzt, das Gefühl der Wertigkeit für etwas Langersehntes und Bleibendes. Alles erscheint dann käuflich und austauschbar. Sogar der einzelne Mensch.


Denn dieses Kaufen, wie es heute überwiegend praktiziert wird, ist nur eine kurze Bedürfnisbefriedigung, es ist nur ein kurzes Nachlassen des Druckes, etwas haben-zu-wollen und hat mit wahrhaftiger Wunscherfüllung wenig zu tun. Nach dieser Art von Konsum und nach jeder neuen Affäre bleibt dann nämlich nur eines beständig– die Unzufriedenheit und der Wunsch nach mehr – gepaart mit der Hoffnung, dann endlich zufrieden sein zu können.


Wir alle haben glücklicherweise genug von allem, was wir wirklich brauchen, aber oft viel zu wenig Zufriedenheit und Wertschätzung für das, was wir bereits besitzen und für das, was uns eigentlich wirklich wichtig ist.


Haltet deshalb inne und freut Euch über das, was Ihr habt. Verbringt mehr Zeit mit Euch selbst als mit dem Konsum.


Geniesst, wie gut es Euch jetzt schon geht, ganz bewusst. Hört auf, nach noch „mehr“ im Aussen zu schielen. Lernt Zufriedenheit und Dankbarkeit im Jetzt… das erlaubt Euch, Ruhe zu finden innen drin.


Und wenn Ihr etwas anschafft, egal ob Kleidung, Möbel, Elektronik oder eine neue Beziehung oder ein Tier eingeht, überlegt vorher gut, ob es wirklich das Richtige ist, ob das Eure innere Zufriedenheit wirklich stärken kann oder ob nur Euer Ego Euch dazu verleitet hat, dies oder das haben zu wollen.


Weniger ist oft mehr und der Reiz von „Neu“ vergeht schnell, aber im Kontakt mit uns SELBST sind wir All-eins und nur dadurch können wir dauerhaft wahre Zufriedenheit und Glück erreichen (> Blog Energetisches Heilcoaching). Durch Wertschätzung und Liebe und Achtsamkeit wächst unser inneres Erleben jeden Tag mehr und mehr und macht uns innerlich reich und unabhängiger vom Zwang der Haben-Wünsche (> Blog Freiheit).


Ich begleite Euch gerne auf Eurem Weg!

Copyright Anja Rösch-Becker, HPP

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